Der brasilianische Markt für Diabetesmedikamente und Mittel zur Gewichtsabnahme könnte in den kommenden Monaten einen weiteren Anbieter bekommen. Die Gesundheitsbehörde Anvisa hat Ozivy zugelassen – den ersten in Brasilien entwickelten synthetischen Semaglutid-Pen mit einem ähnlichen Ansatz wie Ozempic, einem der bekanntesten Arzneimittel dieser Kategorie.
Das Präparat wird von EMS hergestellt und enthält Semaglutid als Wirkstoff. Diese Substanz zählt zu den sogenannten GLP-1-Medikamenten, die vor allem zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt werden. Zugleich wurden sie durch ihre mit Gewichtsreduktion verbundenen Effekte bekannt.
Was ist Ozivy?
Ozivy ist ein synthetisches Analogon von Semaglutid, also desselben Wirkstoffs, der auch in Ozempic enthalten ist. Die Zulassung erfolgte nach einer technischen Prüfung durch die brasilianische Gesundheitsaufsicht Anvisa, welche Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität bewertete.
Nach Angaben der Behörde gilt das Medikament nicht als Generikum. Der Grund: Das brasilianische Recht sieht für biologische Produkte keine Generika vor. Stattdessen wurde Ozivy als „neues Arzneimittel“ eingestuft und technisch als synthetisches Analogon eines biologischen Produkts definiert.
Das Ozempic-Patent wurde aufgehoben
Die Entwicklung folgt nur wenige Monate auf die Aufhebung des Ozempic-Patents in Brasilien im März dieses Jahres. Dadurch erhielten weitere Pharmaunternehmen die Möglichkeit, vergleichbare semaglutidhaltige Medikamente zu entwickeln.
Fachleute gehen deshalb davon aus, dass der Markt in den kommenden Jahren wettbewerbsintensiver werden könnte. Das könnte sich auf die Verfügbarkeit und die Preise dieser Behandlungen auswirken.
Wann kommt Ozivy in die Apotheken?
Trotz der Anvisa-Zulassung darf Ozivy noch nicht direkt verkauft werden. Zunächst muss die Kammer für die Regulierung des Arzneimittelmarkts einen Höchstpreis für das Präparat festlegen.
Erst nach dieser Genehmigung kann EMS den offiziellen Termin für die Markteinführung in brasilianischen Apotheken bekannt geben.
Kann das Medikament in das SUS aufgenommen werden?
Ob der neue Pen über das SUS, das öffentliche Gesundheitssystem Brasiliens, angeboten werden kann, hängt noch von weiteren Prüfungen ab. Dafür muss das Medikament zunächst von der Nationalen Kommission für die Aufnahme von Technologien in das SUS bewertet werden.
Anschließend muss das Gesundheitsministerium entscheiden, ob die Behandlung in das öffentliche Versorgungsnetz aufgenommen wird.
Die Verbreitung von „Abnehm-Pens“ veränderte den Markt
Medikamente aus der GLP-1-Klasse haben in den vergangenen Jahren stark an Popularität gewonnen. Sie wurden ursprünglich zur Kontrolle von Typ-2-Diabetes entwickelt, rückten jedoch wegen ihrer Wirkung auf das Sättigungsgefühl und die Gewichtsabnahme in den Fokus.
Diese Entwicklung hat auch die Diskussion über Zugang, hohe Kosten und den unkontrollierten Einsatz solcher Medikamente ohne angemessene ärztliche Begleitung verstärkt.
Expertinnen und Experten betonen, dass semaglutidhaltige Medikamente verschreibungspflichtig sind und professionell überwacht werden müssen. Insbesondere können sie bei einigen Patientinnen und Patienten gastrointestinale Nebenwirkungen sowie Stoffwechselveränderungen verursachen.
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