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Lignin aus Holz könnte Sonnencreme sicherer machen

Frau trägt im Wald natürliche Hautpflegecreme auf den Unterarm auf, umgeben von Kräutern und Pulver auf Holztisch.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob das Sonnenschutzmittel, das Ihre Haut schützen soll, selbst Risiken bergen könnte?

Seit Jahren betonen Dermatologen, dass Sonnencreme unser wirksamster Schutz vor Hautkrebs und schmerzhaftem Sonnenbrand ist.

Eine aktuelle Umfrage in den USA ergab jedoch, dass 14 Prozent der jungen Erwachsenen der Ansicht sind, die tägliche Verwendung von Sonnencreme sei schädlicher als die Sonne selbst.

Diese Verunsicherung beruht auf Berichten der US-Arzneimittelbehörde FDA, nach denen bestimmte verbreitete Chemikalien in diesen Lotionen die Haut passieren und in den Blutkreislauf gelangen können.

Wissenschaftlich ist bislang nicht belegt, dass diese Inhaltsstoffe gefährlich sind. Dennoch wird nach einer natürlicheren und sichereren Form des Sonnenschutzes gesucht.

Lignin aus Holz könnte die Haut schützen

Für eine hochtechnologische Lösung dieses Problems richten Wissenschaftler ihren Blick nun auf den Wald. Dabei fanden sie heraus, dass Lignin der Schlüssel zu einer neuen Generation von Hautpflegeprodukten sein könnte.

Lignin ist ein natürlicher Stoff, der Pflanzenzellwände wie ein Klebstoff zusammenhält und Baumstämmen ihre bemerkenswerte Stabilität verleiht.

Neben dieser strukturellen Funktion wirkt das Material als natürlicher Schutzschild, der Pflanzen vor intensiver ultravioletter Strahlung bewahrt.

Da Lignin ein natürlicher Bestandteil von Holz ist, gehen Forschende davon aus, dass es sowohl für den menschlichen Körper als auch für die empfindlichen Korallenriffe der Weltmeere deutlich verträglicher sein könnte.

Das ist relevant, weil manche Chemikalien aus Sonnenschutzmitteln beim Schwimmen abgewaschen werden und Meerestiere schädigen können.

Lignin schonend aus Holz gewinnen

Früher war der Einsatz von Lignin in Kosmetikprodukten wegen seiner dunklen Färbung schwierig. Bei herkömmlichen Verfahren zur Gewinnung von Lignin aus Holz kamen aggressive Chemikalien zum Einsatz, die den Stoff nahezu schwarz färbten.

Niemand möchte vor dem Strandbesuch dunklen, klebrigen Schlamm ins Gesicht schmieren. Zwei unabhängige Forschungsgruppen an der South China University of Technology haben jedoch kürzlich einen Weg gefunden, dieses Problem zu umgehen.

Eine von Jun Li geleitete Gruppe verwendete ein besonderes Verfahren mit Mahltechnik und Ultraschallwellen, um aus Pappelholz blassgelbes Lignin zu gewinnen.

Ein weiteres Team unter Leitung von Yong Qian erhielt mit einer ähnlich schonenden Methode eine blassrosa Variante aus Birkenholz.

So schnitt Lignin-Sonnencreme ab

Nach der Gewinnung dieser hellen Extrakte formten die Forschungsteams das Lignin zu winzigen Teilchen, sogenannten Nanopartikeln. Anschließend mischten sie die Partikel in einfache weiße Cremes, um die Wirksamkeit der neuen Rezeptur zu prüfen.

Die Creme mit gelbem Lignin erreichte einen Lichtschutzfaktor von 20, die rosafarbene Version einen Lichtschutzfaktor von 19. Beide Varianten boten Breitbandschutz und blockierten damit sowohl UVA- als auch UVB-Strahlen.

In den Tests fühlten sich die Cremes glatt an und ließen sich bei hellen Hauttönen leicht verteilen. Ein Lichtschutzfaktor von 20 ist ein vielversprechender Anfang, erreicht aber noch nicht die Schutzwirkung von Lotionen mit LSF 50+, die heute die meisten Menschen kaufen.

Mehr Sonnenschutz durch Lignin

Das Team wollte die natürliche Schutzkraft von Lignin mit bestehenden Sonnenschutzwirkstoffen wie Avobenzon und Octinoxat verbinden.

Dafür schlossen die Forschenden die Chemikalien in Lignin-Nanopartikeln ein und bildeten damit eine Art schützende Hülle. Das Ergebnis war bemerkenswert: Der Lichtschutzfaktor stieg auf mehr als 180.

Auch wenn Unternehmen ein Produkt aufgrund der Messmethode rechtlich nicht mit einem höheren Wert als LSF 50+ kennzeichnen dürfen, zeigt diese Entdeckung, dass Lignin Sonnencreme außerordentlich wirksam machen kann.

Die Kombination hält nicht nur Sonnenstrahlen ab. Die Hülle verlängert zudem die Haltbarkeit der Lotion deutlich, weil Lignin verhindert, dass sich die anderen Inhaltsstoffe unter Hitze zersetzen.

Sicherer für Menschen und Umwelt

Der spannendste Aspekt dieser Entdeckung auf Holzbasis betrifft die Sicherheit für den menschlichen Körper.

Indem die üblichen Sonnenschutzchemikalien in Lignin-Nanopartikeln eingeschlossen wurden, stellten die Forschenden fest, dass die Inhaltsstoffe nicht mehr in die Haut einzogen.

Dadurch bleiben die Chemikalien auf der Hautoberfläche, wo die Lotion korrekt wirken kann, statt in den Blutkreislauf zu gelangen.

Derzeit testen die Forschenden eine ihrer Lignin-Nanopartikel-Sonnencremes in Studien mit Menschen. Bisher scheint sie sicher zu sein und einen starken UV-Schutz zu bieten.

Die ersten Ergebnisse sind ermutigend für Menschen, die sich wegen chemischer Aufnahme und möglicher Umweltfolgen sorgen.

Natürliche Materialien können Sonnencreme verbessern

Bäume ermöglichen zwar einen bedeutenden Fortschritt, doch Holz ist nicht die einzige natürliche Quelle, die Wissenschaftler derzeit untersuchen.

Forschende prüfen auch Stoffe aus Algen, Farnen, Tintenfischen und sogar menschlichem Haar, um neue Methoden zum Abblocken von UV-Strahlen zu entwickeln.

Ziel ist es, Produkte zu schaffen, die wir täglich verwenden können, ohne uns Gedanken über unsere Gesundheit machen zu müssen.

Je besser Wissenschaftler lernen, bereits in der Natur vorhandene Materialien zu nutzen, desto näher rückt eine Zukunft, in der Sonnenschutz unkompliziert, wirksam und für Menschen wie Umwelt sicherer ist.

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