Der Harvard-Professor Daniel Lieberman erläutert, dass sich Menschen nicht entwickelt haben, um allein für Gesundheit oder Aussehen freiwillig Sport zu treiben. Unsere Vorfahren gingen zu Fuß, trugen Lasten und liefen, wenn es erforderlich war. Zugleich sparten sie Energie und verbrachten einen Teil des Tages sitzend oder ruhend.
Was bedeutet es, dass Menschen nicht zum Laufen geschaffen wurden?
Daniel Lieberman sagt nicht, dass der menschliche Körper nicht laufen kann. Die Anatomie unserer Art weist Anpassungen an lange Fußmärsche und Dauerläufe auf. Solche Bewegungen dienten jedoch dazu, Nahrung zu beschaffen, Wege zurückzulegen, Bedrohungen zu entkommen oder konkrete Aufgaben zu erledigen.
Nach Auffassung des Professors haben wir uns nicht dafür entwickelt, Energie ohne unmittelbaren Nutzen zu verbrauchen. Auf einem Laufband zu laufen, nur um Krankheiten vorzubeugen, ist eine neue Verhaltensweise. Unnötige Anstrengungen zu vermeiden, half unseren Vorfahren dagegen, Kalorien in Umgebungen zu bewahren, in denen Nahrung nicht jederzeit verfügbar war.
Warum der Körper Sitzen und Energiesparen bevorzugt
Ruhe ist ein normales menschliches Verhalten. Auch Gemeinschaften mit traditioneller Lebensweise verbringen viele Stunden sitzend, hockend oder angelehnt, während sie sich unterhalten, Werkzeuge herstellen oder Essen zubereiten.
- Energie zu sparen erhöhte die Chancen, Zeiten des Mangels zu überstehen;
- Ruhe unterstützte die Erholung der Muskeln nach Fußmärschen und körperlicher Arbeit;
- Sitzen gehörte zu sozialen Aktivitäten und handwerklichen Tätigkeiten;
- das heutige Problem besteht darin, über sehr lange Zeiträume unbeweglich zu bleiben;
- fehlende tägliche Bewegung vergrößert die Distanz zwischen unserem Körper und der Umwelt, in der er sich entwickelt hat.
Ist Sitzen wirklich so schädlich, wie oft behauptet wird?
Sitzen ist weder eine Krankheit noch ein Verhalten, das vollständig abgeschafft werden muss. Das Risiko entsteht, wenn Ruhe fast den gesamten Tag einnimmt und nicht durch Spaziergänge, Hausarbeit, Wege im Alltag oder andere Muskelbewegungen unterbrochen wird.
Lieberman unterscheidet den heutigen Bewegungsmangel vom Ruhen unserer Vorfahren. Sie konnten stundenlang sitzen, mussten aber regelmäßig aufstehen, gehen, Gegenstände tragen und Nahrung suchen.
Wie lässt sich eine körperlich passendere Bewegungsroutine gestalten?
Die evolutionsbiologische Erklärung ist keine Empfehlung, auf Sport zu verzichten. Sie macht vielmehr verständlich, warum bloße Disziplin nicht immer ausreicht und weshalb angenehme, soziale oder in den Alltag eingebundene Aktivitäten leichter dauerhaft beibehalten werden.
- Strecken zu Fuß zurücklegen, die sonst mit dem Auto gefahren würden;
- lange Sitzphasen durch kurze Wege unterbrechen;
- Übungen auswählen, die Freude machen und sich regelmäßig wiederholen lassen;
- Ausdauertraining mit Muskelkräftigung verbinden;
- mit einer Belastung beginnen, die dem aktuellen Fitnesszustand entspricht;
- Begleitung, Musik oder konkrete Ziele nutzen, damit Bewegung lohnend wirkt.
Ist Daniel Liebermans Argument eine Verteidigung des Bewegungsmangels?
Die Aussage des Harvard-Professors lautet nicht, Menschen sollten das Laufen gegen das Sofa eintauschen. Daniel Lieberman vertritt die Ansicht, dass wir darauf selektiert wurden, notwendige Bewegung und Ruhe abzuwechseln – nicht darauf, den ganzen Tag reglos zu bleiben oder intensive Trainingseinheiten ohne Erholung zu absolvieren.
Der menschliche Körper ist weiterhin auf regelmäßige körperliche Aktivität angewiesen, um Muskeln, Knochen, Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-Gesundheit im Laufe des Lebens zu erhalten. Wer versteht, dass der Widerstand gegen Bewegung evolutionäre Ursachen hat, kann Schuldgefühle hinter sich lassen und eine Routine mit häufiger Bewegung, ausreichender Erholung und dauerhaft erreichbaren Zielen aufbauen.
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